Üblicherweise beginnt jedes neue Jahr mit guten Vorsätzen. Was wir alles anders oder besser machen wollen. Ende des letzten Jahres habe ich eine – nicht repräsentative- Beobachtung gemacht. Die Zahl derer, die sich bewusst nichts vornehmen, ist deutlich gestiegen. Mit immer ähnlicher Begründung: Es wäre schon viel gewonnen, wenn es nicht schlimmer wird… Diese Einstellung kann nicht verwundern. Schon die ersten Tage des neuen Jahres haben schockierend klar gemacht das auch 2026 nicht vorhersehbar und alles im Fluss ist. Weder regelbasierte Sicherheit noch Verlässlichkeit alter Gewissheiten werden dieses Jahr prägen. Venezuela ist bis auf Weiteres amerikanische Kolonie, das Schicksal Grönlands, Taiwan, Kolumbiens, Kubas und der Ukraine ist offener als je zuvor.
Europäischer Abstieg
Der schmerzliche Niedergang der sich selbst überschätzenden Europäer ist unaufhaltsam. Spätestens seit Annektierung der Krim musste für alle die Zeiten- wenn nicht Epochenwende klar sein. Wir machten aber so weiter wie bisher und nahmen die Hinweise von Bush, Obama, Trump und Biden nicht ernst. Das rächt sich jetzt furchtbar. Nur mit Mühe können wir noch den Schein aufrechterhalten, dass Europa bei der Lösung des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine überhaupt eine Rolle spielt. Und faktisch sind wir trotz erheblicher Finanzaufwendungen für die Ukraine draußen. Weil unsere militärischen Fähigkeiten weder zur Abschreckung noch zur hinreichenden Ausrüstung der Ukraine reichen. Wir haben die Hinweise der Amerikaner ignoriert und wollten auch nicht auf günstiges russisches Gas verzichten. Auch wirtschaftlich spielen wir keine Rolle, was spätestens seit der Zollpolitik der Trump Regierung klar geworden ist. Ob wir angesichts der jetzt begonnenen Aufrüstung jemals wieder als Player auf die Weltbühne zurückkehren ist offen.
Deutschlands Entwicklung
Bei uns stehen einschließlich Berlin dieses Jahr fünf Landtagswahlen an. Nicht unbedingt einladende Voraussetzungen für nötige und schmerzhafte Reformen. Vielmehr ist zu erwarten, dass die AfD besonders in Sachsen – Anhalt und Mecklenburg – Vorpommern erheblich zulegen wird und dort komplexe Regierungsbildungen drohen.
Auch die wirtschaftlichen Aussichten für 2026 sind in keiner Weise beflügelnd. Wenn überhaupt gibt es mit der Schuldenorgie teuer gekauftes Wachstum. Und ob die überfälligen Strukturveränderungen in unseren sozialen Sicherungssystemen und im Staatsaufbau gelingen, ist ebenso offen wie ein dynamisches Wachstum unserer Wirtschaft aus eigener Kraft. Ich bin skeptisch ob von dieser Regierungskoalition die erforderliche Kraftanstrengung aufgebracht wird. Zu oft hat auch diese Regierung ihre vollmundigen Versprechen und Ankündigungen nicht eingehalten.
Unser Sektor
In diesen schwierigen und unsicheren Zeiten ist es für unseren Sektor wichtig weiter profitabel arbeiten zu können. Allein dieses Ziel wird uns viel Einsatz und Kraft abfordern. Es ist kein Selbstläufer. Im Gegenteil: konjunkturelle Verbesserungen für unser Gewerbe sind nicht in Sicht. Hilfestellungen seitens der Politik sind Fehlanzeige. Also bleibt nur die eigene Kraft, unser unternehmerisches Können und unsere Erfahrung als selbstständige Partikuliere.
Es wäre schon ein Erfolg, wenn Politik und GDWS unsere Arbeit nicht weiter unnötig erschweren. Unser Focus der Verbandsarbeit wird 2026 darauf gerichtet sein, die nationalen und europäischen Rahmenbedingungen erträglich(er) zu gestalten. National wird es besonders darauf ankommen, die Wasserstraßen nicht weiter verfallen zu lassen und die bestehende Infrastruktur bestmöglich in Stand zu halten. So, dass uns keine langen Warte- und Ausfallzeiten belasten. Dies setzt voraus, dass BMV und GDWS ihren Auftrag erfüllen. Der neuen GDWS-Präsidentin ist bei dieser Herkulesaufgabe eine glückliche Hand und besonders Durchsetzungskraft und Wirkungsmacht in und mit ihrer Behörde zu wünschen.





