Unsere Herzkammer – Schule und Schiff

Unsere Herzkammer

Sozialdemokraten wissen, wofür die Herzkammer steht: satte SPD- Mehrheiten im Ruhrgebiet. Dem ehemaligen Kern des deutschen Wirtschaftswunders. Nach der Transformation sind die SPD- Mehrheiten weg und die ehemalige Volkspartei ist hier auf historischem Tiefststand. Da ich kein Sozialdemokrat bin will ich lieber von unserer Herzkammer reden, die auch im Ruhrgebiet liegt und in einer vergleichbaren Situation ist.

Schule und Schiff

Duisburg ist mit Schulschiff und Schule genau diese Herzkammer für unsere Binnenschiffahrt. Zunächst einmal emotional: ganz viele Akteure unseres Sektors haben dort prägende Jahre für ihre berufliche Karriere verbracht. Als nicht Nautiker vergleiche ich das mit meiner Bundeswehr Zeit. Außergewöhnlich vielseitige Einflüsse für Persönlichkeitsentwicklung. Selbst wenn in gelegentlicher anekdotischer Rückschau damals als schlecht Empfundenes heute in milderes Licht gerückt wird.

Die fachliche Qualität der Ausbildung und ihr praktischer Wert für Führungspersönlichkeiten unserer Branche waren unbestritten. Die Lehrer und Ausbilder waren aus dem Gewerbe oder haben sich das nötige Wissen selbst angeeignet. Unbestritten und glasklar war Duisburg der Kern, die Herzkammer für uns und versorgte uns zuverlässig mit fähigem Nachwuchs für alle Ebenen.

Herzkammer ist in Gefahr

Doch auch hier ändern sich die Zeiten. Die Zustimmung für die Arbeit der Schule hat einen Tiefpunkt erreicht. Und darunter leiden nicht nur unsere Auszubildenden, sondern auch diejenigen, die dort ihr Handwerk gelernt haben und der Schule dafür dankbar sind. Ein Termin ist dafür bemerkenswert: Der runde Tisch zum Ausbildungsstandort Duisburg im April. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Ausbildungsbetriebe hieran teilgenommen haben – allein das beweist das herausragende Interesse und die enge Verbindung zum Ausbildungsstandort. Noch bemerkenswerter war die substantiiert vorgetragene Sorge um Zustand und Qualität der Ausbildung und deren momentane Defizite.  Am aller beeindruckendsten aber: Die erklärte Bereitschaft, an einer Verbesserung selbst aktiv mitzuwirken. Ich kenne keine andere Branche, die „ihre“ Schule so aktiv zu unterstützen bereit ist. Mit ganz konkreten Hilfsangeboten.

Revitalisierung der Herzkammer

Weniger beeindruckend war die Reaktion der Schulleitung. Was kann sich eine Schule mehr wünschen als engagierte Ausbildungsbetriebe mit ihren erfahrenen Persönlichkeiten, die sich selbst zur Überwindung der erkannten Defizite mitanbietet. Bessere Voraussetzungen für eine gemeinsame Kraftanstrengung gibt es nicht. Mich hat die Reaktion der Schulleitung auf konstruktiv – wohlmeinende Kritik verbunden mit Verbesserungsvorschlägen enttäuscht. Statt dankbar darauf einzugehen, gab es bürokratische Hinweise, Abwehrreflexe und behaupteten Klärungsbedarf. Wo doch schon guter Wille und die mutige Bereitschaft zu stärkerer Kooperation gereicht hätten. So wurde die ausgestreckte Hand der Branche nicht ergriffen. Damit tut sich die Schule – nicht nur wegen der vorhandenen Alternativen zu ihr – keinen Gefallen. Unsere duale Berufsausbildung wird so nicht zukunftsfähig. Meine Hoffnung: Das Schifferberufskolleg Rhein wird seine Haltung ändern und unsere Herzkammer gemeinsam mit Ausbildungsbetrieben und Branche wieder zu neuer Bedeutung führen. Die Substanz dafür ist da!